Historie

Die Entwicklung der Allerinsel (früher „Mühlenmasch“) steht im engen Zusammenhang mit der Nutzung der Aller als Schifffahrtsweg und als Standort für den Betrieb von Mühlen. Die Stromschnellen der Aller unterbrachen hier im frühen Mittelalter die Schifffahrt. Ein Umladeplatz entstand, der 1292 Stadtrechte erhielt. Der Gefälleverlauf an der Aller bot sich an dieser Stelle für die Mühlentätigkeit an. So entstand hier 1378 mit der Rathsmühle ein erster Mühlenstandort.

Das Gebäude der 1616 gegründeten „Herrenmühle“ ist heute noch im  östlichen Eingangsbereich zum Sanierungsgebiet zu sehen. Die Rathsmühle selbst war Getreide-, Loh- und Tabakmühle, sie presste Öl, brach Flachs und versorgte über ein Pumpwerk den Turm der Celler Wasserkunst. Der eigentliche Inselbereich bestand überwiegend aus so genannten Maschwiesen, die regelmäßig bei Hochwasser überspült wurden in den Sommermonaten als Weidefläche dienten.

Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich die Allerinsel als Standort für die Schützen (Schützenhaus, Schießstand), welche mit drei Schützenvereinen noch heute die Flächen für ihr Vereinsleben und das jährliche Schützenfest nutzen. Gegen Mitte des 19 Jahrhunderts (1889-1992) wurde der städtische Schlachthof auf der Allerinsel errichtet. Von dieser Entwicklungsphase zeugt heute noch das Verwaltungsgebäude, welches heute als Garnisonsmuseum genutzt wird, sowie das Kopfgebäude der Viehmarkthalle an der Hafenstraße.

Einen besonderen Wachstumsschub erfuhr die Allerinsel zum Ende des 19. Jahrhunderts durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz. Von der Allerinsel aus wurde zudem die westlich der Insel gelegene Speicherstraße mit einer Brücke an das Schienennetz angebunden. Diese Brücke musste abgerissen werden und wurde nicht wieder aufgebaut. Zu Beginn der Industrialisierung erhöhte sich auch die wirtschaftliche Bedeutung der Allerinsel für die Stadt Celle. Mit dem Bau bzw. der Entwicklung des Hafens 1900-1907, des Elektrizitätswerkes und des Gleisanschlusses begann die flächenhafte Nutzung als Gewerbegebiet.

Durch den Ausbau des Hafens im Jahr 1904 sowie einer Erweiterung im Jahr 1906 konnten nun auch größere Gütermengen auf der Allerinsel umgeschlagen werden. Es entwickelten sich Betriebe, die den direkten Zugriff auf die Handelswege nutzten. Beispielhaft zu nennen ist die metallverarbeitende Industrie, die heute noch in Teilen auf der Allerinsel zu finden ist.

Ebenfalls wurde die Mühle genutzt, um angeliefertes Korn zu mahlen. Die Gebäude zum Lagern und Verarbeiten des Korns gibt es im östlichen Bereich der Allerinsel noch heute, diese werden von Folgebetrieben weiterhin genutzt, wenn auch in der Zwischenzeit mit moderner Technik ausgestattet. An der Speicherstraße entwickelte sich der ursprüngliche Standort der heute noch in Teilbereichen vorhandenen Hausbaufirma Haacke.

Bedeutung erlangte dieser Standort auch für die Versorgung der Innenstadt mit Energie (Gas, Strom). Über Jahrzehnte entwickelte sich hier eine sehr hohe Installationsdichte an Versorgungseinrichtungen, die noch heute in den Gebäuden der Stadtwerke zu finden ist. Der Standort Allerinsel versorgt noch heute den gesamten innerstädtischen Bereich mit hier herunter transformiertem Strom.

Seit den 1980er Jahren verzeichnete die gewerbliche Nutzung der Allerinsel eine rückläufige Entwicklung. Die vorhandene Anbindung an das regionale und überregionale Straßennetz entsprach nicht mehr den Anforderungen an einen Gewerbestandort, da die Lieferfahrzeuge größer und der Verkehr auf dem Straßennetz deutlich zugenommen hatten. Mit der Aufgabe des Speditionswesens wurde im Jahre 2004 der Bahnverkehr auf der Allerinsel eingestellt. 

Quellen: pp a|s pesch partner architekten stadtplaner, Rahmenplan Allerinsel (2010), Fugro Consult GmbH, Sanierungsrahmenplan Allerinsel (2015), Akten der Bauaufsicht Stadt Celle, Stadt Celle, Vorbereitende Untersuchungen Allerinsel, 2011; Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) – Gutachterausschuss Regionaldirektion Braunschweig-Wolfsburg – (W1-142/2013,2014); Oberer Gutachterausschuss für Grundstückswerte Niedersachsen, OG 2b 2013)

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© Fotos und Postkarten: Stadtarchiv Celle